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​Zahnprobleme können jedes Pferd in jedem Alter treffen

Zahnprobleme können jedes Pferd in jedem Alter treffen

Die Verdauung des Pferdes findet nicht nur in Magen und Darm statt, sondern beginnt schon in der Maulhöhle mit dem Kauvorgang. Die Lippen, Schneidezähne sowie die Zunge dienen zum Abbeißen des Futters wie zum Beispiel Weidegras und Heu. Mit Hilfe der Backenzähne wird die Nahrung insbesondere das Raufutter, auf das Pferde hinsichtlich der Ernährung angewiesen sind, zermahlen. Während des Kauens wird einerseits das Futter mechanisch zerkleinert, um abgeschluckt werden zu können. Andererseits regt das Kauen auch die Speichelbildung an. Der Speichel dient der Durchsaftung des Futters, sorgt aber auch dafür, dass der pH-Wert im Magen abgepuffert wird. Auch für die Psyche der Pferde ist die Befriedigung des Kaubedürfnisses von großer Bedeutung. Kauen bedeutet für das Pferd Beschäftigung, weswegen ausreichend Raufutter zur Verfügung stehen sollte. Ist dies nicht der Fall, langweilt sich das Pferd, was wiederum die Entstehung von Verhaltensstörungen wie Koppen und Weben fördern kann.

Leidet ein Pferd an Kau- oder Zahnprobleme, so kann das aufgenommene Futter nicht mehr ausreichend zermahlen werden. Dies erschwert die nachfolgende Verdauung maßgeblich und führt dazu, dass die Nahrung nicht vollständig verwertet werden kann. Denn ist der Futterbrei noch grob, kann er von den Verdauungssäften nicht ausreichend durchsaftet und somit auch nicht vollständig verdaut werden.
 
Doch wie erkennt man, dass ein Pferd an Zahnproblemen leidet?
 
Typische Anzeichen für Störungen im Bereich der Maulhöhle sind ein verändertes Verhalten während der Futteraufnahme, Abneigung gegen gewissen Futtermittel, Gewichtsverlust, übler Mundgeruch, übermäßiger Speichelfluss, Kopfschütteln, Rittigkeitsprobleme bei Zäumung auf Trense oder Kandare sowie Ausfluss aus Nase oder Maulhöhle. Treten eines oder mehrere dieser Symptome auf, so muss dringend ein Tierarzt hinzugezogen werden, der die Maulhöhle eingehend untersuchen und je nach vorliegender Erkrankung das Pferd behandeln kann.

Die Ursachen für Kau- und oder Zahnprobleme sind vielfältig. So können beispielsweise auch angeborene Gebissanomalien wie ein „Karpfen-“ oder „Hechtgebiss“ auftreten und die Futteraufnahme und –verwertung maßgeblich beeinflussen. Solche Unregelmäßigkeiten müssen tierärztlich durch Zahnbearbeitungen korrigiert werden, um dem betroffenen Pferd eine normale Futteraufnahme und –zerkleinerung zu ermöglichen. Zu den angeborenen Gebissveränderungen gehört zudem eine abnorme Anzahl an Zähnen. Sowohl zu viele als auch zu wenige Zähne können zu Kauproblemen führen und muss daher mit bedacht werden.

Fohlen sowie junge Pferde besitzen noch ein Milchgebiss. Der Zahnwechsel beginnt ab einem Alter von ungefähr einem Lebensjahr und dauert ungefähr bis zum fünften Lebensjahr an. Erst dann ist der Wechsel vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss vollständig. Während dieser Zeit kann es zu Störungen der Futteraufnahme wie zum Beispiel Schlundverstopfung kommen. Dies sollte unbedingt bei der Auswahl von Futtermitteln bedacht und diese bei Bedarf mit Wasser angefeuchtet werden. Da nicht nur Zahnprobleme zu einer Schlundverstopfung führen können, sondern auch Pferde mit einem hastigem Fressverhalten häufig betroffen sind, empfiehlt es sich auch hier das Futter mit Wasser oder Öl angefeuchtet zu füttern.

Mit Hilfe der Zähne ist es Fachleuten zudem möglich beim Pferd das Alter zu bestimmen. Eine sogenannte Zahnaltersbestimmung kann bei jungen Pferden bis zu sechs Jahren zuverlässig durchgeführt werden. Später wird eine exakte Bestimmung des Alters etwas schwieriger, so dass sich diese nicht mehr auf das exakte Alter sondern häufig auf einen gewissen Zeitraum festlegen lässt.

In aller Munde ist in letzter Zeit auch die Zahnerkrankung EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis), die hauptsächlich bei Pferden ab einem Lebensalter von 15 Jahren vorkommt. Typisch für diese Erkrankung ist der Abbau der Zahnsubstanz sowie die knollenförmigen Zubildungen von Zahnzement im Bereich der Zahnwurzeln. Betroffen von diesen Veränderungen sind vorwiegend Schneidezähne sowie die vorderen Backenzähne. Ursächlich scheint für diese Erkrankung erhöhte mechanische Belastungen des Zahnhalteapparates und damit in Zusammenhang stehende entzündliche Prozessen durch eindringende Bakterien zu sein. So fallen die betroffenen Pferde auch häufig durch üblen Maulhöhlengeruch, Rückgang des Zahnfleisches sowie wulstigen Zahnfleischauftreibungen auf. Da EOTRH sehr schmerzhaft für die erkrankten Pferde sein kann, muss diese von einem fachkundigen Tierarzt behandelt werden, was auch die Entfernung der veränderten Zähne mit einschließen kann.

Eine Besonderheit von Pferdezähnen stellen die Reserven für den Zahnabbrieb dar. Im Durchschnitt beträgt die Zahnreserve bei Pferden von einer mittleren Größe ungefähr sechs Zentimeter. Die schmelzfaltigen Backzähne werden durch den Kauvorgang ständig abgerieben. Jedoch können sich bei ungleichmäßiger Abnützung, was durch lange Fütterungspausen sowie wenig Raufutter begünstigt wird, sogenannte Haken an den Backenzähnen bilden. Diese Hakenbildung ist aufgrund des sogenannten bilateralen Scherengebiss der Pferde falls vorhanden im Oberkiefer an der Außenseite und im Unterkiefer an der Innenseite der Backenzähne zu erkennen. Solch eine Hakenbildung kann zu schmerzhaften Schleimhautverletzungen sowie Störungen bei der Futterzerkleinerung und dem Mahlvorgang führen. Um solchen Problemen vorzubeugen, wird empfohlen einmal jährlich den Zahnstand routinemäßig kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren zu lassen.

Doch auch die Schneidezähne können beispielsweise durch Verhaltensstörungen wie Koppen und Krippenwetzen übermäßig abgenutzt werden. Aber auch bei der Verwendung von Fressbremsen mit harten Plastikeinsätzen können sich die Schneidezähne stark abnutzen. Daher sollte bei Pferden, die regelmäßig eine solche Fressbremse tragen, die Schneidezähne regelmäßig kontrolliert werden. Wichtig ist jedoch auch, dass eine solche Fressbremse nur stundenweise getragen wird – auch der Pferdepsyche willens.

Es gibt jedoch auch noch weitere Zahnerkrankungen, die bei Pferden auftreten können. So kann beispielweise Zahnkaries nicht nur beim Menschen sondern auch beim Pferd vorkommen. Verursacht wird dieser meist durch die Fütterung klebriger, stärke- und zuckerhaltiger Futtermittel. Dehnt sich der Karies weiter aus, kann dies eine Zahnwurzelentzündung verursachen. Weitere Gründe für eine Zahnwurzelentzündung können aber auch ein Trauma oder eine Zahnfraktur und die damit zusammenhängende Entzündung bzw. eine Erregerinfektion des umliegenden Zahngewebes sein. Die betroffenen Pferde fallen meist durch Probleme bei der Futteraufnahme auf. Auch einseitiger eitriger Nasenausfluss kann vorkommen, wenn die Erreger von der Zahnwurzel in die Nasennebenhöhle wandern und dort zu einer Nasennebenhöhlenentzündung führen.

Bei Pferdesenioren tritt irgendwann altersbedingter Zahnabrieb auf, welcher auf den Verbrauch der Zahnreserven zurückzuführen ist. Dies hat zu Folge, dass die betroffenen Pferde nicht mehr in der Lage sind das angebotene Heu mit Hilfe der Backenzähne ausreichend zu zerkleinern. Typische Anzeichen hierfür sind Gewichtsverlust, Heuröllchen sowie faserreicher Kot. Wird Hafer als ganze Haferkörner gefüttert, so sind häufig die Haferkörner unverdaut im Pferdeapfel zu finden. Zum Ausgleich des fehlenden Raufutters muss den betroffenen Pferden geeigneter Heuersatz wie PRE ALPIN® Wiesencobs, PRE ALPIN® Wiesenflakes oder PRE ALPIN® Senior in ausreichender Menge angeboten werden, da ansonsten die betroffenen Pferde irgendwann im wahrsten Sinne verhungern. Aber auch beim Kraftfutter sollte beachtet werden, dass das Getreide möglichst in einer aufgeschlossenen, leicht verdaulichen Form gefüttert wird.  Hierzu zählt beispielsweise gequetscher Hafer, Haferflocken oder Gerste- und Maisflocken. Alternativ kann man auch eingeweichte AGROBS Luzernecobs, AGROBS Maiscobs oder in Kombination als AGROBS Kraftpaket geben. Als getreidefreie Alternative eignet sich für die Pferdesenioren auch das AlpenGrün Mash, welches man problemlos täglich geben kann. Auch mit der Zugabe von Ölen (z.B. Leinöl) kann die Ration energiereicher gestaltet werden.

Aber nicht nur die Fütterung sondern auch die Haltung und das Management muss bei Pferden mit Zahn- und Kauproblemen angepasst werden, um eine möglichst stressfreie Futteraufnahme zu ermöglichen. Denn gerade alte und kranke Pferde in Gruppenhaltung werden häufig von den Futterplätzen durch jüngere Artgenossen vertrieben.

 

Quellen*:
  • Meyer H., Coenen M.: Pferdefütterung. Enke Verlag Stuttgart, 2014
  • Carsten V.: Lehrbuch der Zahnheilkunde beim Pferd. Schattauer Verlag, Stuttgart 2011
  • Staszyk C. et. al.: Equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis. The Veterinary Journal, 2008
  • Schrock, P.: Simulation der Spannungsverteilung im Schneidezahngebiss und in den angrenzenden Kieferregionen des Pferdes. Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013
  • Bender I.: Praxishandbuch Pferdefütterung. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2009
 
 
Dr. med. vet. Katharina Boes
November 2016 ©AGROBS GmbH




 
(* Die Quellenangaben beziehen sich auf den fachlichen Inhalt des Textes und nicht auf die Produktempfehlungen)