Das Blutbild des Pferdes 

Vorneweg sei betont, dass dieser Text nur dem Verständnis dienen soll. In keinem Fall kann er die Interpretation eines Blutbildes durch einen erfahrenen Tierarzt oder eine erfahrene Tierärztin ersetzen. Wichtig außerdem: Die Interpretation eines Blutbildes kann immer nur in Zusammenhang mit der klinischen Befundung erfolgen, da es sonst leicht zu Fehldiagnosen kommen kann. So kann man nicht grundsätzlich durch einen erhöhten oder erniedrigten Wert im Blutbild auf eine Erkrankung schließen.  
Circa 7 – 8 % des gesamten Körpergewichtes macht beim Pferd das Blut aus. Im Körper hat das Blut verschiedenste Aufgaben wie den Transport von Atemgasen, Nährstoffen, Stoffwechselprodukten, Wärme und Hormonen. Darunter stellt der Transport von Sauerstoff eine der wichtigsten Funktionen des Blutes dar. Zudem reguliert es den Wasser- und Elektrolythaushalt sowie den osmotischen Druck und pH-Wert. Es ist für die spezifische und unspezifische Immunabwehr und auch für die Blutgerinnung essenziell. 
 

Wann und warum ein Blutbild beim Pferd sinnvoll ist? 

Blutuntersuchungen dienen meistens als Diagnostiktool, um eine klinische Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder auszuschließen. Aber auch um klinisch nicht sichtbare Erkrankungen zu diagnostizieren, können bestimmte Blutparameter hilfreich sein. Teilweise werden auch zur Überwachung eines Krankheitsverlaufes oder zum Feststellen eines Therapieerfolges Blutbilder gemacht. 
Eine korrekte Vorbereitung des Patienten und Blutentnahme sowie eine ordnungsgemäße Vorbereitung der Probe sind unabdingbar, um überhaupt verwertbare Befunde erstellen zu können. Wichtig sind zudem die Wahl des richtigen Probenmaterials (Vollblut, Plasma oder Serum) sowie eine ausreichende Menge davon zu gewinnen. Stresssituationen sollten bei der Blutentnahme unbedingt vermieden werden, da dies verschiedene Parameter beeinflussen kann. Auch einige Medikamente wie bspw. eine Sedation können das Blutbild des Pferdes mitunter verändern.  

Blut und seine Bestandteile: Vollblut, Plasma und Serum 

Im Vollblut sind alle Bestandteile des Blutes enthalten. Fügt man dem Blut einen Gerinnungshemmer wie Heparin, Natrium-EDTA oder Natriumcitrat hinzu, wird es ungerinnbar und man kann es durch Zentrifugation in Blutplasma und Blutzellen auftrennen. Bei Blutplasma handelt es sich um die zellfreie flüssige Phase des Blutes. Es enthält Stoffe wie Hormone, Metaboliten, Elektrolyte und Enzyme. Lässt man das Blut hingegen gerinnen, kann man es durch Zentrifugation in Blutserum und geronnenen Blutkuchen auftrennen. Dieser Blutkuchen enthält auch die Blutzellen. Im Gegensatz zum Blutplasma ist im Serum kein Fibrin enthalten. 

Rotes und weißes Blutbild beim Pferd: Bedeutung der Blutzellen und Laborwerte 

Zu den hämatologischen Untersuchungen gehören das rote und weiße Blutbild sowie die Zählung der Thrombozyten (Blutplättchen), die für die Gerinnung zuständig sind. Zum roten Blutbild gehört der Hämatokritwert (Gesamtvolumen aller Blutzellen, wird v.a. von der Anzahl der roten Blutkörperchen, den Erythrozyten bestimmt), der Hämoglobingehalt (Gehalt an Blutfarbstoff) und die Erythrozytenzahl. Diese Parameter zeigen insbesondere den Grad der Hämokonzentration an, also wie dickflüssig das Blut ist, und ob eine Substitution mit Flüssigkeit notwendig ist. Auch können diese Parameter bei Erniedrigung auf das Vorliegen einer Anämie hinweisen. Die Erythrozyten, also roten Blutkörperchen, sind für den Sauerstofftransport von der Lunge zu den Körpergeweben und den Abtransport von Kohlendioxid zurück zur Lunge verantwortlich. Hierfür ist insbesondere der rote Blutfarbstoff Hämoglobin zuständig. Erythrozyten machen ca. 99 % der zellulären Bestandteile im Blut aus.  

Des Weiteren werden die Parameter MCV, MCH und MCHC untersucht. Unter MCV versteht man das mittlere Erythrozytenvolumen. MCH ist der mittlere Hämoglobingehalt eines einzelnen Erytrozyten und MCHC die mittlere Hämoglobinkonzentration in den Erythrozyten. Veränderte Werte können beispielsweise auf Anämien oder Eisenmangel im Blut hinweisen. 
Beim weißen Blutbild wird die Anzahl an Leukozyten (weiße Blutkörperchen) untersucht. Die im Blutbild festgestellten Leukozyten machen jedoch nur 5 % der im Körper vorhandenen Gesamtleukozytenzahl aus. Der Großteil befindet sich in den verschiedenen Organen des Körpers.  Das Blut wiederum transportiert und verteilt diese Blutkörperchen. Damit lässt sich durch die Untersuchung der im Blut befindlichen Leukozyten eine Aussage über die Reaktionslage des Abwehrsystems treffen. 

Die Leukozyten teilen sich in Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten auf. Bei den Granulozyten unterscheidet man nach Anfärbbarkeit ihrer Einlagerungen (Granula) zwischen basophilen, eosinophilen und neutrophilen. Die neutrophilen Granulozyten und die Lymphozyten machen mit 90 % den größten Teil der weißen Blutkörperchen aus. Unreife neutrophile Granulozyten sind stabkernig, wohingegen reife Granulozyten einen runden Kern haben. Man nennt sie segmentkernig. Diese Zellen sind an Entzündungsreaktionen, Infektionsabwehr und Immunreaktionen beteiligt. 
Für eine hämatologische Untersuchung benötigt man Vollblut, das mit Gerinnungshemmern wie bspw. EDTA-Salzen versetzt wurde.  

Bei einem kleinen Blutbild wird unter anderem das rote und weiße Blutbild sowie die Anzahl der Blutplättchen untersucht. Bei einem Differentialblutbild wird die genaue Zusammensetzung der weißen Blutkörperchen angegeben. Dies wird zusätzlich bei einem großen Blutbild analysiert. Bei den verschiedenen Laboren findet man zudem unterschiedliche Profile, die je nach Fragestellung schon die wichtigsten Parameter beinhalten, die untersucht werden sollen. 
 

Klinisch-chemische Untersuchungen 

Zu der klinisch-chemischen Untersuchung gehört die Diagnostik der sogenannten Leber-, Nieren-, und Muskelenzyme. Die meisten dieser Enzyme sind jedoch nicht organspezifisch, sodass man auf bestimmte Enzymmuster achten muss, um auf die Schädigung eines bestimmten Organes zu schließen.  

Auch die Bestimmung von Elektrolyten gehört dazu. Die wichtigsten Elektrolyte sind Natrium, Kalium und Chlorid. Veränderte Elektrolytwerte stehen nicht in Zusammenhang mit der Zufuhr über die Nahrung, sondern vor allem mit Störungen des Flüssigkeits- und Säure-Basen-Haushaltes. 
Für klinisch-chemische Untersuchungen wird Serum bevorzugt. Jedoch lassen sich einige Parameter auch im heparinisierten Plasma bestimmen.  
 

Leberwerte 

Zur Diagnostik von Lebererkrankungen kann man verschiedene Parameter im Blut, die sogenannten Leberenzyme, wie beispielsweise AST (Aspartataminotransferase), GLDH (Glutamatdehydrogenase), AP (Alkalische Phosphatase) sowie die γ-GT (γ-Glutamyltransferase) heranziehen. Daneben sind bei der Untersuchung der Leberfunktion auch Harnstoff, Albumin und Bilirubin wichtig.  

AST: befindet sich in den Leberzellen, aber auch in Zellen der Herz- und Skelettmuskulatur, der Nieren und des Gehirns sowie in den Erythrozyten. In den Leberzellen ist die Aktivität dieses Enzyms beim Pferd hoch, was sie zu einem klassischen Leberwert macht. Erhöhte AST-Werte sind bei einer akuten oder chronischen Hepatitis (Entzündung des Lebergewebes), Lebernekrose (Absterben von Leberzellen), Leberdegeneration, Lebertumor, Leberabszess sowie Myopathien unterschiedlicher Ursache zu finden. 

GLDH: dieses Enzym ist leberspezifisch. Aufgrund der Lokalisation in den Mitochondrien der Leberzellen führen nur schwerwiegende Leberzellschädigungen zu einem deutlichen Anstieg von GLDH im Serum. Dieses Enzym zeigt daher das Vorkommen und den Grad der Leberzellzerstörung an und wird zur Verlaufskontrolle einer Lebererkrankung herangezogen. 

AP: Die AP kommt in den verschiedensten Geweben des Körpers wie Leber, Knochen, Niere, Darmschleimhaut und der Plazenta vor. Akute und chronische Lebererkrankungen unterschiedlicher Herkunft führen zu einem Anstieg der AP. Aber auch bei erhöhter Aktivität bestimmter Knochenzellen im Wachstum, bei einem Knochentumor oder einer Fraktur ist die AP erhöht. Beim Pferd ist die AP zudem ein Marker für Gallenstau. 

γ-GT: Auch dieses Enzym kommt nicht nur in der Leber, sondern in verschiedensten Organen wie Niere, Bauchspeicheldrüse, Darm und dem Gesäuge vor. In der Leber befindet sich die γ-GT sowohl in den Gallengangsepithelien als auch in den Leberzellen. Bei Pferd und Rind dient sie auch als Gallenstaumarker. Bei intra- und extrahepatischen Cholestasen (Stau der Galle in den Gallengängen), hepatotoxischen Prozessen, Fibrose (Vermehrung von Bindegewebsfasern), Zirrhose (eigentliches Gewebe der Leber wird zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe infolge einer chronischen Entzündung ersetzt) mit Cholestase sowie Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) ist die γ-GT erhöht. 

Harnstoff: Harnstoff ist ein Syntheseprodukt der Leber, in der der Harnstoffzyklus stattfindet. Erkrankungen der Leber können daher zu einer verminderten Harnstoffherstellung führen. Allerdings besitzt die Leber eine hohe Harnstoff-Reservekapazität. Zudem wird die Harnstoffkonzentration im Blut durch Änderung des Flüssigkeitsstatus, der Harnaussscheidung über die Nieren sowie der Eiweißaufnahme über das Futter aber auch durch Blutungen im Verdauungstrakt beeinflusst. 

Albumin: Albumin wird nur in der Leber hergestellt und ist daher auch in der Diagnostik von Lebererkrankungen von Bedeutung.  

Bilirubin: Als Abbauprodukt von Hämoglobin wird Bilirubin auch zur Diagnostik von Lebererkrankungen verwendet.  

Gallensäuren: Die Gallensäuren werden in den Leberzellen gebildet. Mit der Galle werden diese dann in den Darm ausgeschieden. Dort übernehmen sie wichtige Funktionen bei der Fettverdauung. Durch den enterohepatischen Kreislauf werden die Gallensäuren dann zum Großteil wieder zu der Leber geführt. Erhöhte Serumgallensäuren können auf portosystemische Shunts (angeborene oder erworbene Lebergefäßmissbildung), Lebertumoren, Leberzirrhose, Hepatitiden oder Cholestase hinweisen.  

Ammoniak: In der Leber wird giftiges Ammoniak durch den Harnstoffzyklus zu ungiftigem Harnstoff abgebaut. Erhöhte Ammoniakwerte im Blut können durch einen portosystemischen Shunt, Leberzirrhose oder Enzymdefekte im Harnstoffzyklus bedingt sein. 
 

Nierenwerte 

Zu den Nierenwerten zählen unter anderem Harnstoff, Kreatinin, Kreatin, Harnsäure, Aminosäuren, Ammonium und Ammoniak. Untersucht werden aber davon in der Regel Harnstoff und Kreatinin im Serum, da diese leicht zu bestimmen sind.  

Harnstoff: In der Leber wird Harnstoff aus Ammoniak hergestellt und stellt somit das ungiftige Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels dar. Die Harnstoff-Konzentration im Blut ist daher auch von der Fütterung abhängig. Dadurch kann der Gehalt vorübergehend wenige Stunden nach einer eiweißreichen Mahlzeit ansteigen, was normal ist. Ausgeschieden wird Harnstoff nur über die Niere. Abgesehen von Nierenerkrankungen und vom Proteingehalt der Nahrung kann der Harnstoffgehalt im Blut aber auch durch andere Ursachen wie Flüssigkeitsmangel, Fieber etc. verändert sein.  

Ein hoher Plasmaharnstoffspiegel kann, sofern keine Störung im Wasserhaushalt oder in der Ausscheidung über die Niere besteht, auf eine sehr hohe Eiweißversorgung hinweisen. Ein reduzierter Albumingehalt im Plasma ist bei einem langfristigen Eiweißmangel zu sehen. 

Kreatinin: Im Gegensatz zu Harnstoff ist der Kreatininwert nicht abhängig von der Fütterung. Aber auch hier kann der Wert nicht nur bei Erkrankungen der Niere, sondern beispielsweise auch durch Flüssigkeitsmangel, Kreislauf- oder Herzinsuffizienz, Verlegung der Harnwege etc. verändert sein. Neben der Untersuchung der Parameter im Blut, bedarf es bei Verdacht auf Erkrankungen der Niere in der Regel auch einer Harnanalyse.  
 

Muskelenzyme 

Erhöhte Muskelenzymwerte wie Kreatinkinase (CK) oder Aspartataminotransferase (AST) weisen auf eine Muskelerkrankung (Myopathie) hin. Bei einer Myopathie können diese Werte um das 10 bis 1000-fache erhöht sein. Akute sowie klinisch auffällige Myopathien können anhand dieser erhöhten Enzymwerte diagnostiziert werden. Für den Nachweis latenter Myopathie können jedoch Belastungstest notwendig sein.  

Neben den oben genannten muskelspezifischen Enzymen kann es auch bei Belastung zum Anstieg von Laktatdehydrogenase (LDH) sowie γ-GT kommen.  Des Weiteren kann die Bestimmung von Laktat zur Diagnose hinzugezogen werden. Die Überprüfung des Laktatwertes wird zudem auch zur Bestimmung des Trainingszustandes hinzugezogen. Eine erhöhte Bildung von Laktat weist auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes hin.  
 

Stoffwechselerkrankungen und ihre Parameter 

Pars Pituitary Intermedia Dysfunktion (PPID bzw. Equines Cushing-Syndrom) und Equines metabolisches Syndrom 
Bei PPID handelt es sich um eine hormonelle Störung des alten Pferdes, die überwiegend durch einen gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse (Adenom der Pars intermedia der Adenohyhophyse) verursacht wird. Klinische Anzeichen einer PPID können ein langes, oft welliges Haarkleid (Hypertrichose), Muskelschwund, wiederkehrende Infektionen, Lethargie, Lahmheit sowie Polydipsie und Polyurie (vermehrtes Trinken und Urinieren) sein. Zudem kann Hufrehe bei einer gleichzeitig bestehenden Hyperinsulinämie (vermehrte Insulinausschüttung im Blut) auftreten. 
Als labordiagnostischer Test eignet sich die direkte ACTH-Bestimmung sowie der Dexamethason-Suppressionstest.  
Im Frühstadium oder bei milden klinischen Symptomen kann der TRH-Stimulationstest nützlich sein, um die Erkrankung zu diagnostizieren.  
Um eine mögliche Hyperinsulinämie oder Insulinresistenz feststellen zu können, wird zudem noch der Glukose- sowie Insulinwert im Blut bestimmt.  
Grundsätzlich eignen sich für die Diagnose von PPID speziell zusammengestellte Profile, die neben der ACTH-Messung die Untersuchung weiterer Paramater wie γ-GT, Triglyceride und Glukose beinhaltet. 

Beim Equinen metabolische Syndrom (EMS) weisen die betroffenen Pferde häufig Fettleibigkeit auf. Eine Insulindysregulation sowie eine mögliche Insulinresistenz und daraus resultierende Prädisposition für Hufrehe liegen ebenfalls vor. Auch hier ist die Feststellung des Glukose- sowie Insulinwertes von Bedeutung.  

Beim Vorliegen einer Insulinresistenz sollte die Fütterung in jedem Fall angepasst werden. Pferde und Ponys mit einer gestörten Insulinregulation haben ein höheres Risiko an Hufrehe zu erkranken. Um eine Insulinresistenz festzustellen, überprüft man den Gehalt an Zucker (Glukose) und Insulin im Blut. Der Blutglukosespiegel wird durch die Hormone Insulin und Glukagon reguliert. Insulin wirkt Blutglukose-senkend, Glukagon dagegen Blutglukose-erhöhend. Neben diesen beiden Hormonen haben auch andere Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin, Kortisol und die Schilddrüsenhormone Einfluss auf den Blutzuckergehalt.  

Im Hinblick auf die Energieversorgung kann ein kurzfristig bestehendes Energiedefizit zu einem deutlichen Anstieg bestimmter Blutfette, der Triglyzeride, und freien Fettsäuren im Plasma führen. Die Bestimmung von Triglyzeriden im Blut meist zur EMS-Diagnostik dazu. Grundsätzlich ist aber eine Über- oder Unterversorgung an Energie am Körperzustand erkennbar. 
Neben diesen Untersuchungen gibt es auch spezielle Testverfahren wie der orale Glukosetest, der Insulinstimulationstest sowie der kombinierte Glukose-Insulin-Test. 
 

Schilddrüsenerkrankungen  

Zur Diagnostik einer möglichen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann man im Blut die Schilddrüsenhormone bestimmt. Dazu eignet sich insbesondere das Thyroidea-stimulierende Hormon (TSH). Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 weisen nur eine geringe Spezifität auf und werden daher beim Pferd nicht untersucht. Daneben gibt es noch sogenannte Stimulationstests zur Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen. Es wird hierbei zwischen dem TSH-Stimulationstest und dem TRH-Stimulationstest unterschieden. Mit Hilfe des TSH-Stimulationstest lässt sich eine primäre Funktionsstörung der Schilddrüse nachweisen., welche jedoch beim Pferd selten vorkommt. Der TRH-Stimulationstest dient dagegen dem Nachweis eine sekundäre Funktionsstörung, in der Regel hervorgerufen durch eine übermäßige Jodaufnahme.  
 

Serumlipide (Blutfette) 

Hormone wie Insulin, Glukagon, Steroide, Schilddrüsenhormone und Katecholamine beeinflussen den Stoffwechsel von den Serumlipiden (Triglyzeride und Cholesterin). Unter einer Lipämie oder Hyperlipämie versteht man einen erhöhten Gehalt an Triglyzeriden im Blut. Bei einer Hyperlipidämie sind sowohl Triglyzeride als auch Cholesterin erhöht. 
Ist der Triglyzeridgehalt erhöht, so erscheint nach der Blutentnahme meist schon das Serum im Röhrchen trüb. Die Triglyzeride werden insbesondere im Zusammenhang mit metabolischen Erkrankungen bei Pferden untersucht, wenn gleichzeitig ein starkes Energiedefizit durch Futterkarenz oder –verweigerung besteht. Bei übergewichtigen Ponys und Eseln ist die Hyperlipidämie eine gefürchtete Komplikation während der Hochträchtigkeit oder bei schweren Erkrankungen wie Hufrehe oder Kolik. Kommt es plötzlich zu einem starken Energiedefizit im Körper, werden große Mengen an Körperfett mobilisiert. Kann die Leber diese anfallende Menge an Körperfett nicht mehr verstoffwechseln, so kann dies zu einer gefährlichen Leberverfettung führen, wenn die Leber die anfallende Menge an mobilisiertem Fett nicht mehr umwandeln kann.  
 

Welche Mineralstoffe und Spurenelemente im Pferde-Blutbild wichtig sind? 

Um die Kalziumversorgung zu überprüfen, eignet sich die Untersuchung des Kalziumspiegels in Serum oder Plasma nicht, auch wenn eine extreme Überversorgung zwei bis drei Stunden nach der Fütterung zu einer leichten, vorübergehenden Hyperkalzämie führen kann. Dahingegen lässt sich durch den Phosphorgehalt im Plasma die Versorgung mit Phosphor besser darstellen. 
Eine Über- oder Unterversorgung mit Magnesium kann man sehr gut im Serum oder Plasma überprüfen. 

Auf einen Eisenmangel kann im Blutbild der Hämatokritwert sowie der Hämoglobingehalt hinweisen. Jedoch sollte man bedenken, dass ein Eisenmangel beim Pferd praktisch nie durch eine mangelnde Aufnahme von Eisen verursacht wird. Stattdessen sind andere Ursachen wie Infektionen, Befall mit Parasiten oder auch andere Nährstoffmängel wahrscheinlich. Die Untersuchung der Blutparameter auf die Spurenelementversorgung hat nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. 

Bezüglich den Spurenelementen Zink, Kupfer und Jod sind Serum- bzw. Plasmawerte nur bei einem extremen und längerfristigen Mangel hinweisend. Die Versorgung mit Selen lässt sich dagegen gut im Blut überprüfen. Die Selen-abhängige Glutathionperoxidase ist ein guter Parameter, um die langfristige Selenversorgung zu überprüfen. 
Hinsichtlich der Vitaminversorgung ist eine Unterversorgung mit Vitamin A schlecht im Blut nachweisbar, wobei sich eine Überversorgung durch ansteigende Serum- bzw. Plasma-Retinol-Werte bereits zeigt, bevor Symptome zu erkennen sind. Eine deutliche Über- oder Unterversorgung mit Vitamin E lässt sich durch den Gehalt an Tocopherol im Serum oder Plasma feststellen. 

Durch die Bestimmung des Serum- bzw. Plasma-Kalzitriolwerts lässt sich die Versorgung mit Vitamin D gut überprüfen. 
Zur Überprüfung, ob die Futterration dem Bedarf entspricht, hat sich die Rationsberechnung bewährt.   
 

Arterielle Blutgasanalyse 

Die arterielle Blutgasanalyse dient der Untersuchung des Säure-Basen-Haushaltes sowie der Überprüfung der Sauerstoffversorgung des Organismus. Eine Überprüfung der Sauerstoffversorgung ist meist notwendig, wenn das Pferd vorberichtlich unter Leistungsschwäche, Atmungs- und/oder Kreislaufinsuffizienz leidet. Durch die arterielle Blutgasanalyse kann der Schweregrad von Equinem Asthma festgestellt werden. 
 

Serum-Amyloid A (SAA) 

Serum-Amyloid A gehört zu den Akute-Phase-Proteinen. Eine Akute-Phase-Reaktion geht vom angeborenen Immunsystem aus und gilt als unspezifische Schutzreaktion des Körpers. Ein erhöhter Wert im Serum weist auf ein Entzündungsgeschehen wie eine Infektionskrankheit oder eine andere entzündliche Erkrankung hin. 
 
Dr. Katharina Martin 
Januar 2026, ©AGROBS GmbH & Co. KG

Quellen: 
  • Dietz O., Huskamp B.: Handbuch Pferdekrankheiten. Enke Verlag Stuttgart, 2006 
  • Coenen M, Vervuert I, Hrsg. Pferdefütterung. 6., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.  
  • Gehlen H, Hrsg. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. 
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  • v. Engelhardt, Breves, Physiologie der Haustiere. 2. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2000. 
  • Gehlen, H. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. 
  • Warnken, T., Feige, K. "Equines Metabolisches Syndrom – Was gibt es Neues?". pferde spiegel 2019 
  • Möller, S.; Hüfler, D.: Laboruntersuchungen in der Pferdepraxis – welche Parameter sind interessant? team.konkret 2020; 16(02): 19 – 24, Wissen kompakt.   
  • Duyar A., Laur, N. Laborwerte einfach erklärt. Entschlüsseln Sie Ihren Laborbericht zu Blutwerten, Mikro- und Makronährstoffen, Bakterien, Viren und Hormonen. Riva Verlag 2021