Mineralfutter oder mineralisiertes Kraftfutter

Sinn oder Unsinn?

Pferde, die nicht mit ausreichend Mineralien versorgt werden, können langfristig einen Mineralstoffmangel entwickeln. Das liegt daran, dass eine ausreichende Versorgung mit essenziellen Mikronährstoffen, speziell den Spurenelementen, über Heu und Gras heutzutage nicht mehr gegeben ist. Die Fütterung mineralisierter Kraftfutter, häufig in Form von Müslis oder Pellets, erfreut sich daher nach wie vor großer Beliebtheit. Es ist eine unkomplizierte Möglichkeit, Pferde gleichzeitig mit Energie, Mineralien und Vitaminen zu versorgen.

Warum mineralisiert AGROBS sein Kraftfutter dennoch nicht und bietet stattdessen Kraftfutter und Mineralfutter separat an?
 

Deckt vollmineralisiertes Kraftfutter den individuellen Bedarf deines Pferdes ab?

Jedes Pferd hat einen individuellen Bedarf an Energie und Nährstoffen. Kraftfutter dient dazu, einen erhöhten Energiebedarf z.B. bei Sportpferden oder Zuchtstuten abzudecken. Es sollte immer nur dann ergänzt werden, wenn Pferde ihr Gewicht mit Heu allein nicht halten können.  Ein Warmblut mit 600 kg benötigt im Erhaltungsstoffwechsel ohne zusätzliches Training ungefähr 63 Megajoule (MJ) umsetzbare Energie (ME), um sein Gewicht zu halten.  Diesen Erhaltungsbedarf an Energie sollte das Pferd rein über das Raufutter wie z.B. Heu decken – ein zusätzliches Kraftfutter ist nicht nötig.
 

Zur Veranschaulichung:

11 kg Heu mit einem durchschnittlichen Energiegehalt von 6 MJ ME pro Kilogramm liefern rund 66 MJ ME am Tag. Um die fehlenden Mikronährstoffe zu ergänzen, wird nun zusätzlich ein mineralisiertes Kraftfutter ergänzt, das einen durchschnittlichen Energiegehalt von 10 MJ ME pro Kilogramm besitzt. Für die vollständige Bedarfsdeckung, müssen laut Herstellerempfehlung 2,5 kg Kraftfutter pro Tag verfüttert werden mit der Folge einer weiteren Energie – bzw. Kalorienzufuhr von 25 MJ ME pro Tag. Das bedeutet für unser Beispiel, dass es bei der Deckung des Mineralstoffbedarfs über ein mineralisiertes Kraftfutter zu einem Energieüberschuss kommt, der das Pferd auf Dauer dick macht. 

Passende Mineralfutter von AGROBS findest du hier:

Steigt bzw. sinkt der Vitamin- und Mineralstoffbedarf wirklich immer linear mit dem Energiebedarf?

Pferde, die jeden Tag arbeiten, haben hingegen einen erhöhten Energiebedarf und benötigen deswegen unter Umständen ein Kraftfutter. Der Leistungsbedarf ist jedoch sehr individuell:
Ein Freizeitpferd, das jeden Tag eine Stunde im Schritt ins Gelände geritten wird, verbrennt nur ca. 6 MJ ME zusätzlich zu seinem Erhaltungsbedarf. Bei einem Sportpferd können es schon 25 MJ ME oder sogar mehr sein. Während das Freizeitpferd neben Heu z.B. nur 500 g Kraftfutter benötigt, um seinen Energiebedarf zu decken, sind es beim Sportpferd mit einem Leistungsbedarf von 25 MJ ME bereits 2 kg des gleichen Kraftfutters.
  
Der Bedarf an Mineralien und Vitaminen steigt jedoch nicht linear mit dem Energiebedarf an und ist je nach Nährstoff sehr unterschiedlich. Ein Sportpferd braucht also vielleicht die fünffache Menge an Energie, um seinen Leistungsbedarf zu decken, nicht aber die fünffache Menge an Zink, Selen, Jod oder Vitamin A. Daher ist es sinnvoll, die Fütterung von Energie (durch ein Kraftfutter) und Mikronährstoffen (durch ein Mineralfutter) getrennt voneinander zu betrachten, um jedes Pferd individuell bedarfsdeckend zu versorgen. 

Mehr Informationen zum Thema Mikronährstoffe finden sich im Artikel Die Welt der Mikronährstoffe | agrobs.de.
Celina Hofmann, Tierärztin
Juni 2024, © AGROBS GmbH

Quellen:
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie. Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. DLG Verlag, 2014