Teffgras für Pferde – das zucker- und fruktanarme Futtergras

Der Zuckergehalt im Raufutter gewinnt in der Pferdefütterung zunehmend an Bedeutung. Viele Pferde sind von Stoffwechselstörungen wie dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), dem Equinen Cushing Syndrom (ECS bzw. PPID) – häufig auch in Verbindung mit Hufrehe – oder von Muskelstoffwechselerkrankungen wie z. B. PSSM betroffen. Diese Pferde benötigen eine bedarfsgerechte, möglichst zuckerarme Ration.

Da Raufutter die Basis jeder gesunden Pferdeernährung bildet, kommt ihm dabei eine zentrale Rolle zu. Gleichzeitig weisen aktuelle Heu- und Grasanalysen zunehmend erhöhte Zucker- und Fruktangehalte auf – insbesondere, wenn das Gras bei Stressbedingungen wie Trockenheit oder starken Temperaturschwankungen geerntet wird. Hier bietet Teffgras eine interessante Alternative und einige Vorteile: ein von Natur aus zucker- und fruktanarmes Futtergras mit guter Struktur und hoher Akzeptanz. Als sogenannte C4-Pflanze ist Teff gut an Wärme und Trockenheit angepasst und eignet sich daher besonders für den Anbau unter den Bedingungen des Klimawandels.
 

Was ist Teff und woher stammt es?

Teff (Eragrostis tef) ist eine sehr alte Kulturpflanze, die ursprünglich aus Ostafrika stammt. In Äthiopien, Eritrea und den angrenzenden Regionen des ostafrikanischen Hochlands wird Teff seit mehreren Jahrtausenden angebaut – vor allem als Grundnahrungsmittel. Die winzigen Samen dienen dort der Herstellung von Teffmehl, aus dem unter anderem das traditionelle Fladenbrot „Injera“ gebacken wird.

Der botanische Gattungsname Eragrostis leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet sinngemäß „Liebesgras“. Er beschreibt das feine, zarte Erscheinungsbild dieser Grasarten. Die filigrane Blattstruktur sorgt nicht nur für ein ansprechendes Pflanzenbild, sondern auch für eine hohe Akzeptanz bei Weidetieren – ein Grund, warum Eragrostis-Arten seit jeher als wertvolle Futterpflanzen gelten.


Teff gehört zu den C4-Pflanzen – was bedeutet das?

Teff gehört zu den sogenannten C4-Pflanzen – ebenso wie Mais oder Hirse. Diese Pflanzen nutzen einen besonderen Photosynthese-Weg, der sich deutlich von dem der in Mitteleuropa üblichen C3-Futtergräser, wie z. B. Lieschgras, Weidelgras, Knaulgras usw. unterscheidet. Der C4-Stoffwechsel ist unter warmen, trockenen und lichtintensiven Bedingungen besonders effizient. C4-Pflanzen können CO₂ auch bei hohen Temperaturen effektiv verwerten, verlieren weniger Wasser und bleiben selbst unter Stressbedingungen leistungsfähig. Im Gegensatz dazu neigen viele C3-Gräser bei Hitze- oder Trockenstress zur vermehrten Einlagerung von löslichen Zuckern und Fruktan.

Teffgras reguliert seine Zuckerbildung deutlich stabiler und speichert Energie überwiegend in Form strukturgebender Kohlenhydrate wie Cellulose. Der Gehalt an leicht löslichen Zuckern bleibt vergleichsweise niedrig – ein entscheidender Vorteil für die Ernährung stoffwechselempfindlicher Pferde. Gleichzeitig überzeugt Teffgras als C4-Pflanze durch seine Trockenheitstoleranz, stabiles Wachstum und gleichbleibende Futterqualität. Damit ist es nicht nur ernährungsphysiologisch interessant, sondern auch aus landwirtschaftlicher Sicht eine zukunftsfähige Kultur im Zeichen des Klimawandels.


Teffkorn für den Menschen – Teffgras für das Pferd

Während Teff im Lebensmittelbereich aufgrund seines glutenfreien Korns geschätzt wird, kommt in der Pferdefütterung eine andere Nutzungsform zum Einsatz: das Teffgras. Für den Futterbau werden spezielle, an mitteleuropäische Klimabedingungen angepasste Sorten verwendet, die auf einen hohen Aufwuchs selektiert sind. Die Ernte erfolgt deutlich früher als bei der Körnernutzung – noch vor der Samenbildung. Auf diese Weise entsteht ein fein strukturiertes, schmackhaftes Raufutter mit niedrigen Gehalten an Zucker, Stärke und Fruktan. Teffgras kann frisch verfüttert oder konserviert werden, zum Beispiel als Heu, Cobs oder Pellets, und lässt sich so flexibel in unterschiedliche Fütterungskonzepte integrieren.
 

Spezialanbau – Qualität beginnt auf dem Feld

Teff ist keine klassische Grünlandpflanze für den breitflächigen Standardanbau in Mitteleuropa. Seine Herkunft aus warmen Regionen bringt besondere Anforderungen mit sich. Genau deshalb erfolgt der Anbau als Spezialanbau unter gezielten Bedingungen. Teffgras ist wärmeliebend - kalte Temperaturen verträgt es nicht. Die Aussaat kann daher erst bei ausreichend hohen Bodentemperaturen erfolgen, Spätfröste können junge Pflanzen schädigen. Das sehr feine Saatgut erfordert eine sorgfältige Saatbettbereitung, und in der frühen Entwicklungsphase entwickelt sich Teffgras langsam. Auch der Erntezeitpunkt muss präzise gewählt werden, um die gewünschte Futterqualität zu erzielen. Dieser hohe Aufwand bedeutet eine bewusste Qualitätssteuerung. Teffgras ist kein zufälliges Massenprodukt, sondern eine gezielt angebaute Kulturpflanze. 

Wirkung von Synephrin in Teffgras

Im Zusammenhang mit Teffgras wird gelegentlich ein möglicher Gehalt an Synephrin diskutiert. Dabei handelt es sich um einen natürlich vorkommenden sekundären Pflanzenstoff, der vor allem aus Zitrusfrüchten bekannt ist. In einzelnen Untersuchungen konnten in bestimmten Eragrostis-Arten – darunter auch Teffgras – geringe Spuren nachgewiesen werden.

Synephrin wirkt im Organismus über das sympathische Nervensystem und kann insbesondere in höheren Dosierungen den Stoffwechsel anregen sowie die Mobilisierung von Energiereserven beeinflussen. Im Humanbereich wird Synephrin daher unter anderem im Kontext von Gewichtsmanagement, Leistungssteigerung oder zur Aktivierung des Fettstoffwechsels eingesetzt. Beim Pferd werden mögliche Effekte vor allem im Hinblick auf den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie das Herz-Kreislauf-System diskutiert.

Aufgrund der in Teffgras vorkommenden sehr geringen Konzentrationen sind jedoch keine relevanten physiologischen Effekte beim Pferd zu erwarten. Zu berücksichtigen ist dennoch, dass Synephrin bereits in sehr kleinen Mengen im Blut als dopingrelevant eingestuft wird. Für aktive Turnierpferde wird daher die Fütterung von Teffgras bzw. Produkten daraus nicht empfohlen. Für Freizeitpferde ist dieser Aspekt in der Regel von untergeordneter Bedeutung.
 

Fazit: Teffgras in der Pferdefütterung

Teffgras vereint ernährungsphysiologische Vorteile mit pflanzenbaulicher Zukunftsfähigkeit: Als zucker- und fruktanarme, strukturreiche Futterpflanze bietet es eine interessante Ergänzung in der Pferdefütterung, insbesondere für stoffwechselempfindliche Pferde. Zudem trägt es gleichzeitig den veränderten Bedingungen in der Futterproduktion Rechnung, wie etwa zunehmenden Trockenperioden, schwankenden Niederschlagsverteilungen sowie dem steigenden Bedarf an robusten, anpassungsfähigen Futterpflanzen.

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Barbara Keßler, MSc. agr.
 April 2026 ©Agrobs GmbH & Co. KG



Quellen: