Die Fütterung des Sportpferdes 

Wie füttere ich mein Sportpferd richtig? Ab wann ist mein Pferd überhaupt ein Sportpferd? Und welche möglichen Probleme gilt es im Zusammenhang mit der Fütterung des Sportpferdes zu lösen? 

 

Ab wann ist mein Pferd ein Sportpferd? 

Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. sind 165.246 Turnierpferde registriert. Das entspricht 18 % der deutschen Pferdepopulation. Doch ist ein Pferd, was an Turnieren teilnimmt, automatisch ein Sportpferd und können auch Pferde Sportpferde sein, die nicht an den klassischen Turnieren teilnehmen? 

Eine wissenschaftliche Definition eines Sportpferdes gibt es in dem Sinne nicht. In der Literatur finden sich jedoch Schemata zur Einteilung der Leistung eines Pferdes in verschiedene Arbeitsintensitäten. Die Leistung beschreibt die Arbeit des Pferdes pro Zeiteinheit. Die Intensität der geforderten Leistung lässt sich beispielsweise recht zuverlässig mit Hilfe der Herzfrequenz ermitteln. Je nach genauer Leistung des Pferdes ergibt sich der Leistungsbedarf an umsetzbarer Energie. Der Leistungsbedarf addiert sich zum sogenannten Erhaltungsbedarf, der immer besteht, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und von Körpergewicht und Rasse abhängt. Der Leistungsbedarf wird von Arbeitsintensität, Tempo, Dauer, Geländebeschaffenheit, Reiter- und Ausrüstungsgewicht geprägt. Die Arbeitsleistung eines Pferdes lässt sich grob in geringfügige, leichte, mittlere und schwere Arbeit einteilen. Weitere Informationen zu der Einteilung findest du in der nachfolgenden Tabelle. 

Arbeitsintensitäten 

 

Geringfügig 

Leicht 

Mittel 

Schwer 

Leistungsbedarf 

Erhaltungsbedarf x 1,125  

Erhaltungsbedarf x 1,25 

Erhaltungsbedarf x 1,5 

Erhaltungsbedarf x 2 

Arbeit 

Deutlich weniger als eine Stunde und/oder annähernd ausschließlich Schritt 

Arbeit bis zu einer Stunde, z.B. 30min Schritt, 15min Trab, 10min Galopp 

Mehr als eine Stunde, z.B. 30min Schritt, 30min Trab, 15min Galopp 

Selten vorkommende, lange und intensive Arbeit, z.B. 30min Schritt, 45min Trab und 30min Galopp 

Beispiel 

Junges Pferd, altes Pferd, Pferd bei/nach Verletzung, Freizeitpferd 

Freizeitpferd und untere Turnierklassen 

Dressur, Springen, Wanderreiten, Vielseitigkeit 

Arbeitspferde, Distanzpferde 

Eigene Darstellung nach: Coenen, M.; Vervuert, I. (2020): Pferdefütterung.  

Raufutter fürs Sportpferd 

Raufutter bildet immer die Basis der Pferdeernährung, auch bei einem Sportpferd. Denn der Verdauungstrakt des Pferdes ist auf Raufutter als Ernährungsgrundlage angewiesen (Mehr dazu findest du im Themenweltartikel Das Verdauungssystem des Pferdes). Es liefert nicht nur Energie und Nährstoffe, darüber hinaus stellt es eine langsame und kontinuierliche Futteraufnahme sicher, stillt das Kaubedürfnis, dient der Beschäftigung und „ernährt“ die Mikroorganismen im Dickdarm. Die tägliche Mindestmenge sollte 1,7 kg Heu je 100 kg Körpergewicht betragen, ein 600 kg Pferd muss also mindestens 10 kg Heu bekommen. Neben Heu können natürlich auch eine qualitativ hochwertige Heulage oder Weidegras als Grundfutter dienen. Auf Grund der höheren Wassergehalte braucht das Pferd sowohl von Heulage als auch von Weidegras eine größere Menge (z.B. mind. 2 kg Heulage je 100 kg Körpergewicht). Auch heutzutage werden einige Sportpferde immer noch mit lediglich 1 kg Heu je 100 kg Körpergewicht gefüttert und dafür mit wesentlich mehr Kraftfutter, obwohl seit 2010 offiziell die Empfehlung gilt, dass auch ein Sportpferd mindestens 1,7 kg Heu je 100 kg Körpergewicht braucht.

Das Raufutter sollte natürlich von höchster Qualität und hoher Verdaulichkeit sein. Große Mengen schwerverdaulichen Raufutters führen zu einer unnötigen Füllung des Verdauungstrakts und belasten den Energie- und Wasserhaushalt sowie die Thermoregulation. Ein hygienisch nicht einwandfreies Grundfutter kann zu Fehlgärungen in Magen und Darm führen. Auch staubiges Futter sollte man unbedingt vermeiden, um den Atmungsapparat nicht zu belasten. Da eine Aufbereitung eines qualitativ und hygienisch schlechten Raufutters nicht möglich ist, gilt eine besondere Sorgfalt während Ernte und Lagerung. Gut verdauliches Raufutter kann mit seinen enthaltenen Gerüstsubstanzen höhere Wasser- und Elektrolytmengen im Darm binden und deren Aufnahme fördern. Dadurch ist es dem Pferd zum Beispiel möglich Schweißverluste besser zu kompensieren. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist auf eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme ausgelegt. Deswegen sollten Fresspausen von 6h nicht überschritten werden und die Heuvorlage optimalerweise mehrfach über den Tag verteilt erfolgen.

Über das Raufutter hinaus sollten Sportpferde leistungsabhängig mit zusätzlicher Energie, Aminosäuren, Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen und – bei starkem Schwitzen – mit Salzen versorgt werden.
 

Energie- und Eiweißversorgung des Sportpferdes

Um Leistung zu erbringen, muss das Pferd ausreichend mit Energie versorgt sein, Muskelaufbau muss stattfinden und auch Regenerationsphasen sind einzuhalten. Schauen wir uns die Versorgung mit Energie und Eiweiß, das unter anderem für die Muskulatur wichtig ist, näher an.

Das Pferd ist auf die kontinuierliche Versorgung mit Energie aus Futterinhaltsstoffen angewiesen. Energieträger, die dem Stoffwechsel des Pferdes zur Verfügung stehen, sind Glykogen, Glucose, Fette, Fettsäuren, Milchsäure und Aminosäuren. Die Nutzung dieser Energieträger kann aerob (langsame Energiegewinnung, unter Sauerstoffverbrauch werden Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße abgebaut) oder anaerob (schnelle Energiegewinnung, ohne die Beteiligung von Sauerstoff, teilweise entsteht dabei Milchsäure (Laktat) als Stoffwechselprodukt) erfolgen. Um den Aufwand zu verfolgen, den der Körper für die Energiebereitstellung aufbringen muss, kann man Herzfrequenz, Sauerstoffverbrauch, Blutlaktat und freie Fettsäuren im Blut als Parameter heranziehen.

Die Leistungsfähigkeit eines Pferdes wird von dem Muskelglykogengehalt vor der Arbeit und der Blutglukoseverfügbarkeit während der Arbeit beeinflusst. In dem Zusammenhang kann man sich natürlich die Frage stellen, ob man die Glykogenreserven durch die Fütterung erhöhen kann. Beim Menschen ist die Beeinflussung der Reserven um bis zu 50 % tatsächlich möglich. Beim Pferd lässt sich die Reserve durch diätetische Maßnahmen nur bis zu 10 % anpassen, wobei parallel die Gefahr von Verdauungsstörungen aufgrund der hohen Menge an Kohlenhydraten steigt. Die Herstellung von Glykogen nach dem Abbau während der entsprechenden Arbeitsleistung lässt sich allerdings nicht durch die Fütterung beeinflussen. Die Vorräte sind immer erst nach 48-72 h wieder komplett aufgefüllt.
 

Wie führe ich meinem Pferd aber nun die entsprechenden Energieträger zu? 

Wie bereits zuvor erwähnt ist der Verdauungstrakt auf die Aufnahme rohfaserreicher Futtermittel ausgelegt, die gleichzeitig einen niedrigen Gehalt an leicht verdaulichen Kohlenhydraten aufweisen. Häufig findet jedoch eine sehr getreidehaltige und stärkefokussierte Fütterung statt. Teilweise geht eine hohe Getreideaufnahme sogar mit einer Reduzierung des Grundfutters einher, was sich negativ auf die Gesundheit und schlussendlich auch auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann. Statt auf hohe Getreidemengen zu setzen ist es durchaus auch möglich ein Sportpferd mit rohfaserbasierten Produkten zu versorgen, die in Kombination mit anderen Energieträgern in der Zusammensetzung trotzdem eine hohe Energiedichte aufweisen können.

Eine Studie bei jungen und trainierten Rennpferden konnte zeigen, dass eine Fütterung mit energiereichem Raufutter positive Effekte auf die Gesundheit hat. Auch die Hinzunahme von pflanzlichen Ölen, wie Leinöl, liefert hochkonzentrierte Energie bei recht niedrigem Fütterungsvolumen. So oder so sollte in einer Kraftfuttergabe nicht mehr als 300 g Kraftfutter je 100 kg Körpergewicht des Pferdes gefüttert werden, bei Pferden mit empfindlichem Verdauungstrakt maximal 200 g Kraftfutter je 100 kg Körpergewicht. Die Kraftfuttergabe sollte nicht direkt vor der Belastung erfolgen, sondern idealerweise 3 bis 5 h vorher. Genau wie das Grundfutter sollte natürlich auch das Kraftfutter von einwandfreier Qualität sein.

Wird ein Sportpferd nicht mit ausreichend Energie über das Futter versorgt, kommt es zur Mobilisation von Energiereserven und zum Abbau von Körperfett. Deswegen ist eine Rationsberechnung sinnvoll, um Energiebedarf und -versorgung gegenüberstellen zu können. Mehr zu dem Thema findest du in unserem Artikel Energiequellen in der Pferdefütterung.

Eiweiß (=Protein) wird nicht nur für den Muskelaufbau eines Sportpferdes benötigt, sondern auch für die Kompensation der Stickstoffverluste über den Schweiß und zur Erhaltung und Funktion aller Körpergewebe. Erst wenn der Eiweißbedarf überschritten wird, gewinnt der Körper aus Proteinen auch Energie. Das Verhältnis von Gramm dünndarmverdaulichem Rohprotein zu Megajoule umsetzbarer Energie sollte bei einem Sportpferd ungefähr 6:1 sein. Der Gesamtbedarf an Protein wird auch bei Sportpferden normalerweise durch die entsprechenden Grund- (und Kraftfuttermengen) nicht nur gedeckt, sondern vielfach sogar übertroffen. Lediglich bei den momentan teils recht niedrigen Proteingehalten im Heu lohnt es sich einmal genauer auf die Versorgungssituation zu schauen. Neben der Gesamtmenge an Protein in der Ration spielen auch die Verdaulichkeit und der Gehalt an essenziellen Aminosäuren eine wichtige Rolle. Viel Protein heißt nicht automatisch, dass eine hohe Proteinverdaulichkeit bzw. ein hoher Gehalt an essenziellen Aminosäuren gegeben ist. Die essenziellen Aminosäuren sind für das Pferd lebensnotwendige Bausteine von körpereigenem Eiweiß und müssen über das Futter aufgenommen werden.

Beim Menschen führt intensive Muskelarbeit zu einem kurzzeitigen Muskeleiweißabbau. Im Anschluss folgen zunächst eine Rückbildung und dann eine anschließende Regeneration der Muskulatur. Die Proteine, die aus dem Abbau entstehen, werden als Marker für den Abbau der Muskulatur genutzt. In einer Studie bei Trabern wurde in dem Zusammenhang eine hohe Konzentration eins dieser Proteine nach intensiver Arbeit festgestellt. Der erneute Aufbau des Muskelproteins wird vor allem durch die essenziellen Aminosäuren und hauptsächlich von Leucin bestimmt. Durch das Futter lässt sich kurzfristig der Aminosäurespiegel im Blut beeinflussen. Mit Hilfe der Supplementierung einer hoch konzentrierten Aminosäuremischung im Rahmen eines Forschungsprojektes, war die festgestellte Aminosäurekonzentration im Blut über 4 h höher als bei Pferden ohne Supplementierung.  Doch nicht nur die schnellere Regeneration der Muskulatur durch die Gabe von essenziellen, verzweigten Aminosäuren konnte bewiesen werden, sondern auch die Hemmung des Muskelproteinabbaus während des Trainings. Für diesen Effekt sollten die Aminosäuren im zeitlichen Zusammenhang mit der Muskelarbeit, also kurz vor oder nach dem Training, gefüttert werden. In einem Versuch konnte man feststellten, dass Vollblüter, die eine spezielle Protein-Aminosäuremischung bekamen, eine bessere Leistung erbringen konnten. Wenn du noch mehr über Proteine und Aminosäuren wissen möchtest, kannst du dir unsere Artikel Eiweiß in der Pferdefütterung bzw. Aminosäuren in der Pferdefütterung ansehen. 

 

Elektrolyt- und Wasserversorgung bei Sportpferden

Der Wasserbedarf des Pferdes ist stark von äußeren Einflüssen abhängig. Pauschal geht man erstmal von ca. 4-6 l Wasser je 100 kg Körpergewicht und Tag aus. Ein 600 kg Pferd trinkt also 24 bis 36 l Wasser. Bei schwerer Arbeit und wärmeren Klimabedingungen kann der Wasserbedarf auf bis zu 300 % steigen. Wasser wird jedoch nicht nur durch das Trinken aufgenommen, sondern auch durch die jeweiligen Wassergehalte der Futtermittel. Ein Beispiel für ein sehr wasserreiches Futter ist frisches Weidegras.

Im Rahmen der Thermoregulation spielt das im Körper enthaltene Wasser eine große Rolle. Die Thermoregulation dient dazu die Kerntemperatur des Körpers möglichst konstant zu halten, wobei Wärmeproduktion und -abgabe entsprechend angepasst werden. Wenn ein Pferd im Rahmen der Bewegung Energie umsetzt, fällt knapp 75 % dieser Energie in Form von Wärme an. Werden sportliche Leistungen vom Pferd erwartet, kann die Körpertemperatur des Pferdes aufgrund der anfallenden Wärme schnell auf über 40 Grad ansteigen. Diese Wärme muss nun über die Atmung und die Körperoberfläche abgegeben werden. In dem Zusammenhang gibt es verschiedene Prozesse, die eine Rolle spielen, wobei vor allem die Kühlung des Körpers aufgrund von Verdunstung sehr effizient ist. Die Verdunstung über den Atemtrakt spielt vor allem bei langanhaltender und relativ gleichmäßiger Belastung eine Rolle und findet ohne den Verlust von Elektrolyten statt. Die Schweißbildung über die Körperoberfläche hingegen bedeutet nicht nur einen Wasser-, sondern auch einen Elektrolytverlust. Wichtig in dem Zusammenhang: Der Körper bildet bei einer entsprechenden Körpertemperatur selbst dann Schweiß, wenn der Wasser- und Elektrolytvorrat aufgebraucht ist. Daraus lässt sich schließen, dass ein entsprechend sportlich genutztes Pferd immer ausreichend mit Wasser und Elektrolyten versorgt sein sollte. Die Schweißbildung ist vor allem bei einer sehr hohen Belastung in kürzester Zeit und damit einhergehend einer schnellen Steigung der Körperkerntemperatur sehr ausgeprägt.

Schauen wir uns den Schweiß des Pferdes einmal genauer an: Mit dem Schweiß verliert das Pferd vor allem Elektrolyte und Wasser, in geringem Maß auch Eiweiße, wobei die exakte Zusammensetzung vom Schweiß leicht variieren kann. Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen beispielsweise verschiedenen Rassen, der Nutzungsart oder der Akklimatisation liegen durchaus vor, sind in der Praxis aber vernachlässigbar.

Vor allem Natrium, Kalium und Chlorid verliert das Pferd über den Schweiß in großen Mengen (pro Liter Schweiß ca. 3,1 g Na, 1,6 g K und 5,5 g Cl). Bei Sportpferden und den damit verbundenen hohen Schweißverlusten ist eine Ergänzung von Natrium und Chlorid auf jeden Fall anzuraten, idealerweise über einen frei zugänglichen Salzleckstein. Kalium muss nicht ergänzt werden, da der Kaliumbedarf bei ausreichender Raufutterversorgung im Normalfall weit überschritten wird und das Pferd jederzeit auf große Mengen Kalium aus dem Dickdarm zurückgreifen kann, wenn der Gehalt im Blut durch Schweißverluste sinkt. Magnesium geht in etwas weniger hohen Mengen wie Natrium, Kalium oder Chlorid über den Schweiß verloren. Dennoch ist auf eine ausreichende Versorgung bei Sportpferden besonders zu achten, da Magnesium durch die erhöhte körperliche und mentale Belastung unter anderem in Stressituationen vermehrt verbraucht wird. 
Eine darüberhinausgehende Gabe von Elektrolyten ist nur bei sehr hohem Schweißverlust nötig und sollte nach der Belastung oder in einer Belastungspause erfolgen. Da die Gabe von Salz beim Pferd Durst auslöst muss immer ausreichend Wasser zur Verfügung stehen.

Schwitzt das Pferd stark und kann die Salz- und Wasserverluste nicht ausgleichen, kommt es zu einem Leistungsabfall und nicht zuletzt auch zu gesundheitlichen Risiken. Durch eine Erhöhung der Wasser- und Elektrolytmengen im Darm aufgrund der Fütterung von hoch verdaulichen rohfaserreichen und pektinreichen Futtermitteln kann der Schweißverlust eines Pferdes von Anfang an besser kompensiert werden. An die Gabe von zusätzlichem Salz, entweder pur, ins Futter gemischt oder im Tränkewasser, gilt es das Pferd vor allem bei extremer Dauerbelastung langsam zu gewöhnen.

Woran erkenne ich nun, wie stark mein Pferd schwitzt? Zur Einordnung gibt es den so genannten Schweißscore, der in der folgenden Tabelle näher erläutert wird: 

Schweiß-Score 

Beschreibung 

Schweißverlust in Liter bei einem 600 kg Pferd 

Fläche unter Sattel teilweise trocken, Halsbereich klebrig, Flanken etwas dunkler 

1-4 

Fläche unter Sattel und Hals nass, Schaumbildung am Ende der Satteldecke/am Innenschenkel und an der Reibungsfläche Hals/Zügel 

>4-7 

Trense hinterlässt Abdruck, Hals und unter Sattel komplett nass, Flanken feucht 

>7-9 

Hals und Flanken komplett nass, feuchte Falten über Augen, Innenschenkel weiß 

>9-12 

Zusätzlich über Augen und unter Bauch tropfend nass 

>12-18 

Nach Zeyner et.al. 2013, Gfe 2013 

 

Einfluss auf die Schweißmenge nimmt nicht nur die Arbeit des Pferdes, sondern auch Faktoren wie die Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur, Fell, Fettgewebe und Geschwindigkeit der Luft über die Haut. 

Dopingrelevante Futtermittel im Pferdesport

Bei einem Pferd, das auf Turnieren startet, sollte der Besitzer gewisse Kenntnisse bezüglich dopingrelevanter Substanzen vorweisen. Über das Futter wird der Großteil dieser Substanzen aufgenommen. Selbst in sehr geringen Konzentrationen führen dopingrelevante Substanzen im Futter zu positiven Proben im Pferdesport. Ursächlich ist entweder die fehlende Kenntnis über die Dopingrelevanz einzelner Stoffe oder eine Kontamination eines Futters, die fälschlicherweise auftritt.

Sogar das Grünfutter von Pferden kann durch eine unerwünschte Beimischung einzelner Pflanzen wie Schlafmohn, Stechapfel oder Herbstzeitlose theoretisch kontaminiert werden. Die Pflanzen enthalten jeweils unterschiedliche Alkaloide, die dopingrelevant sind. Auch durch die Trocknung des Grünfutters lässt sich die Alkaloidkonzentration nicht nennenswert verringern. Nicht nur Grünfutter, sondern auch Kraftfutter kann mit dopingrelevanten Rohstoffen „verunreinigt“ sein. Auch hier spielt der Stechapfel bzw. die Stechapfelsamen eine Rolle, die in Getreide, Leinsamen, Sonnenblumenkernen und Soja enthalten sein können. Wenn Pferdefutter in Maschinen produziert wird, in denen vorher Wiederkäuerfutter gemischt wurde, könnte dies zu einer Kontamination mit dopingrelevanten Restsubstanzen aus dem Wiederkäuerfutter führen. Ein Beispiel wäre hier die Verunreinigung mit Kakaobohnenresten, die Koffein enthalten.

Neben unerwünschten Kontaminationen im Futter gibt es auch einige Inhaltsstoffe, die zwar dopingrelevant, aber trotzdem gezielt im Futter enthalten sind. Für die meisten dieser Stoffe gelten so genannte Karenzzeiten. Diese Karenzzeitregularien werden von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ausgegeben und dienen dazu positive Dopingproben zu vermeiden. Ein Beispiel für eine Karenzzeit ist die Verwendung von Ätherischen Ölen im Futter in Anteilen von über 0,5 %, die eine Karenzzeit von 48 h nach sich zieht. Andere bekannte dopingrelevante Stoffe in Ergänzungsfuttermitteln sind beispielsweise Teufelskralle, Baldrian und Guarana. Während Teufelskralle entzündungshemmende Eigenschaften aufweist, wirkt Baldrian leicht sedierend und das in Guarana enthaltene Koffein zählt als Stimulanz zu den im Wettbewerb verbotenen Dopingsubstanzen und Methoden. Bei den dopingrelevanten Substanzen handelt es sich häufig um Rohstoffe, mit gewissen Effekten, die zum Beispiel Einfluss auf das Verhalten, die Gesundheit oder die Leistungsfähigkeit nehmen.

Gerade bei Sportpferden sollte man im zeitlichen Zusammenhang mit Wettkämpfen besonders auf mögliche dopingrelevante Substanzen achten. 

Probleme in der Sportpferdefütterung 

Eins der präsentesten Probleme in der Sportpferdefütterung ist eine physiologisch gut verträgliche Energielieferung. Meistens kommt es zu einer zu geringen Raufuttergabe, bei extrem hohen, energie- und stärkereichen Kraftfuttermengen.

Nicht nur hohe Stärkegehalte im Futter, sondern auch Nüchterungszeiten über 6-8 h fördern Magengeschwüre. Veränderungen der Magenschleimhaut haben ihre Ursache aber nicht nur in der Fütterung, sondern auch in Medikamenten, Stress, Haltung und in intensiver sportlicher Belastung. Häufig wirken mehrere dieser Faktoren zusammen.

Zahlreiche Studien konnten eine hohe Stärkeaufnahme als Risikofaktor für Magenläsionen bestätigen. Gleichzeitig führt die Fütterung von hohen Mengen an Kraftfutter zu einer geringen Durchmischung des sehr festen Mageninhaltes. Dadurch verweilt das konzentrierte Futter länger im Magen, es kommt zu einem Stau der gebildeten Magensäure und die bakterielle Aktivität erhöht sich. Die Bakterien bauen im Magen bereits im Futter enthaltene Kohlenhydrate ab, wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen. Diese Fettsäuren können sich zusammen mit dem erhöhten Magensäurespiegel negativ auf die Magenschleimhautgesundheit auswirken.

Die Verwendung von magensäurepuffernden Substanzen ist in der Regel nicht erfolgreich bei der Prävention von Magengeschwüren. Im Gegenteil: Eine langfristige exzessive Fütterung kann dazu führen, dass der Magen mehr Säure bildet, um den entsprechenden pH-Wert wiederherzustellen. Aus wissenschaftlicher Sicht können solche Substanzen nicht empfohlen werden. Stattdessen ist präventiv eine pferdegerechte, raufutterbasierte Fütterung mit begrenzter Stärkemenge wirksam zur Vermeidung fütterungsbedingter Magenprobleme. Mehr zu Magenproblemen findest du unter Magenprobleme bei Pferden und weitere Infos zu der Verwendung von Stärke gibt es bei Stärke in der Pferdefütterung.

Neben Problemen mit dem Verdauungsapparat sind viele Sportpferde auch von Problemen mit dem Bewegungsapparat betroffen. Diese können Sehnen, Bänder, Gelenke, Muskeln und Knochen betreffen. Auch hier ist es erstmal wichtig, dass das Pferd bedarfsdeckend versorgt wird: Das gilt sowohl für die Energielieferung, damit das Pferd sein Idealgewicht hält, als auch für die Mikronährstoffe. Der Pferdefuttermarkt bietet gerade für Sehnen, Bänder und Gelenke einiges an Ergänzungsfuttermitteln. Hier ist die Wissenschaft jedoch noch nicht so weit, dass es für die verschiedenen Inhaltsstoffe eindeutige Studienergebnisse bezüglich der Wirksamkeit gibt. Bei einem Sportpferd muss man in dieser Sparte außerdem auf eine potenzielle Dopinggefahr achten (z.B. bei der entzündungshemmenden und schmerzsenkenden Teufelskralle). 

 

Rationsgestaltung und -beispiele 

Die Fütterung eines Sportpferdes basiert zunächst einmal auf demselben Grundprinzip wie die Fütterung eines Freizeitpferdes: Ausreichende Raufutterversorgung und mindestens die Deckung des Erhaltungsbedarfs durch Grundfutter, Deckung des Leistungsbedarfs durch Grundfutter und/oder Kraftfutter, bedarfsdeckende Mineralisierung, Elektrolyt- und Wasserversorgung. Bei zunehmender Intensität der Arbeitsleistung wird die Rationsgestaltung jedoch etwas aufwändiger, da es mehr oder weniger große Veränderungen bezüglich Energie-, Wasser-, Mineral- und Elektrolytstoffwechsel gibt. Punkte, die es bei der Rationsgestaltung des Sportpferdes zu beachten gilt: 

  • Prüfen der Arbeitsleistung (leicht/mittel/schwer) und Art der Leistungserbringung (Kurze/lange Belastung, aerober/anaerober Bereich, Reitsportdisziplin) 
  • Eine ausreichende Menge eines hochverdaulichen und qualitativ hochwertigen Raufutters und mögliche Ergänzung durch Heuersatzprodukte 
  • Hochverdauliche Gerüstsubstanzen im Grundfutter haben einen positiven Einfluss auf den Wasser- und Elektrolytstoffwechsel 
  • Erhöhung der Energieaufnahme durch Steigerung von Grund- und Kraftfuttermenge, Einsatz von Getreide (zu beachten sind hier die maximalen Mengen an Kraftfutter und Stärke), Einsatz von Fetten als Alternative oder Ergänzung von Getreide 
  • Ausreichende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren 
  • Bedarfsdeckende Versorgung mit Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen 
  • Ausreichendes Wasserangebot 
  • Salzleckstein und je nach Schweißverlust zusätzliche Elektrolytgabe 

Im Folgenden geben wir dir einmal ein paar Beispielrationen für verschiedene Reitsportdisziplinen in höheren Leistungsklassen, einmal ohne und einmal mit Getreide. Warum bei manchen Pferden eine getreidefreie Fütterung Sinn macht, kannst du im Themenweltartikel Getreidefreie Fütterung nachlesen. Die Fütterung unterscheidet sich je nach geforderter Leistung. Spring- und Rennpferde benötigen aufgrund der kurzfristigen, aber intensiven Muskelarbeit eine punktgenaue und unverzügliche Energiebereitstellung. Der Großteil der Energie wird über anaerobe Stoffwechselwege über Glykogen gewonnen. Der Gesamtbedarf des Pferdes, der sich aus Erhaltungs- und Leistungsbedarf zusammensetzt, liegt während Training und Wettkampf bei Spring- und Rennpferden zwischen dem 1,4 bis 2-fachen des Erhaltungsbedarf, je nach genauer Belastung. 

Bei Vielseitigkeits-, Dressur- und Distanzpferden spricht man eher von einer aerob verlaufenden Dauerbelastung mit einzelnen anaeroben Leistungsspitzen zwischendurch. Bei einem Dressurpferd liegt der Gesamtbedarf im Schnitt um das 1,5-fache höher als der Erhaltungsbedarf, bei einem Distanzpferd sogar um das 2-fache höher. Bei lang andauernder Arbeit ist nicht nur die Energiebereitstellung leistungsbestimmend, vor allem Wärmeproduktion, -speicherung und -abgabe und die Kompensation von Wasser- und Elektrolytverlust sind ausschlaggebend.  
Zu beachten ist: Nicht jedes Dressurpferd hat automatisch einen Gesamtbedarf, der 1,5-fach höher ist als der Erhaltungsbedarf. Hierbei handelt es sich um einen groben Richtwert, der immer auf Grund der individuellen tatsächlichen Arbeitsleistung (leicht/mittel/schwer) überprüft werden muss. Wird ein Dressurpferd zum Beispiel lediglich eine halbe Stunde am Tag trainiert handelt es sich sehr wahrscheinlich lediglich um eine leichte Arbeit, selbst wenn einige schwierige Lektionen abgefragt werden. Dieser Grundsatz gilt natürlich nicht nur für Dressurpferde, sondern für Pferde in allen Reitsportdisziplinen. Im Folgenden geben wir euch einmal ein paar Rationsbeispiele. 

 

 

Vom Stall vorgegeben 

Getreidehaltig 

Getreidefrei 

Frido

12 Jahre alt
Wallach. Warmblut
170 cm, 600 kg
Springpferd
Mittlere Arbeit 

11 kg Heu 

2 h Weide im Sommer 

Salzleckstein 

1,5 kg Hafer 

0,5 kg AlpenGrün Mash 

80 g Gipfelstürmer Mineral

60 ml Leinöl 

90 g Amino Pur 

2 kg AlpenGrün Müsli 

0,5 kg AlpenGrün Mash 

80 g Gipfelstürmer Mineral 

60 ml Leinöl 

90 g Amino Pur 

Amanda 

9 Jahre alt
Stute, Warmblut
165 cm, 570 kg
Dressurpferd
Mittlere Arbeit

9 kg Heu 

1 h Weide im Sommer 

Salzleckstein 

1,5 kg Myo Protein Flakes 

1 kg Hafer 

0,5 kg AlpenGrün Mash 

70 g Gipfelstürmer Mineral 

50 ml Leinöl 

1,5 kg Myo Protein Flakes 

1,4 kg AlpenGrün Pellet 

0,5 kg AlpenGrün Mash 

70 g Gipfelstürmer Mineral

50 ml Leinöl 

Luis 

10 Jahre alt
Wallach, Vollblut
155 cm, 500 kg
Distanzpferd
Mittlere bis schwere Arbeit

10 kg Heu 

2 h Weide im Sommer 

Salzleckstein 

2 kg Pre Alpin® Wiesenflakes® 

1 kg Haferwiese Sportmüsli

2,5 kg Kraftpaket 

60 g Gipfelstürmer Mineral

100 ml Leinöl 

70 g Amino Pur 

Elektrolyte  

2,5 kg Pre Alpin® Wiesenflakes® 

2,5 kg AlpenGrün Pellet 

1 kg AlpenGrün Mash 

60 g Gipfelstürmer Mineral 

100 ml Leinöl 

70 g Amino Pur 

Elektrolyte 


Trotz gewissen Leitlinien ist die Fütterung eines jeden Pferdes also individuell verschieden. Wenn du Hilfe bei der Fütterung deines Sportpferdes brauchst, melde dich gerne bei unserer kostenlosen Fütterungsberatung: Professionelle Fütterungsberatung.  
 

Janina Beule, M.Sc. Pferdewissenschaften
Dezember 2023, © AGROBS GmbH


Quellen: 

  • Coenen, M.; Vervuert I. (2020): Pferdefütterung. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 
  • Coenen, M. (2017): Elektrolytversorgung, ein Update. In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2   
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiolgie (GfE) (2014): Energie- und Nährstoffbedarf landwirtschaftlicher Nutztiere Nr.11 Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde Ausschuss für Bedarfsnormen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie. DLG- Verlag, Frankfurt/Main   
  • Hertzsch, R. und Emmerich, I. (2017): Dopingrelevante Futtermittel für Pferde. In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2   
  • Irgang, K. (2017): Raufutterqualität bei Sportpferden – (k)ein Thema? In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2 
  • Kamphues, J.; Coenen, M.; Eider, K.; Iben, C.; Kienzle E.; Liesegang, A.; Männer, K.; Wolf, P.; Zebeli, Q.; Zentek, J. (2014): Supplemente zur Tierernährung: für Studium und Praxis. Schlütersche, Hannover 
  • Martschitz, C. (2021): Sportpferdefütterung in Österreich – Wahl und Menge des Grund- und Kraftfutters. URL: https://phaidra.vetmeduni.ac.at/open/o:872 
  • Ringmark, S.; Revold, T.; Jansson, A. (2017): Effects of training distance on feed intake, growth, body condition and muscle glycogen content in young Standardbred horses fed a forage-only diet. In: Animal, Volume 11, Issue 10. URL: https://doi.org/10.1017/S1751731117000593 
  • Van den Hoven, R. (2017): Aminosäuren-Supplementierung nach der Belastung? In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2   
  • Venner, M. und Vervuert, I. (2017): Fütterung zur Prävention von Magengeschwüren beim Sportpferd, ein Update. In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2   
  • Vervuert, I. (2017): Cobalt und Co? Wieviel Spurenelemente braucht ein Sportpferd? In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2     
  • Winter, D. (2017): Energie- und Eiweißversorgung beim Sportpferd, was gibt es Neues? In: Rackwitz, R.; Pees, M.; Aschenbach, J.R.; Gäbel, G. (2017): LBH: 9. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 2  
  • Zeyner, A.; Romanowski, K; Vernunft, A.; Harris, P.; Kienzle, E. (2013): Scoring of sweat losses in exercised horses – a pilot study. In: Animal Physiology and Animal Nutrition. Volume 98, Issue 2. URL: https://doi.org/10.1111/jpn.12073